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Projekttag FLIEGEN erlebt großen Besucherzuspruch und zeigt Potenzial von Neuhardenberg als Ergänzungsflughafen

Neuhardenberg | 04.08.2019

Airbus A320 startet dreimal ausgebucht zu Brandenburg-Rundflug
Flugplatzbetreiber wirbt mit Professionalität für Instrumentenanflugsystem-Genehmigung
Große Unterstützung der Region zum Luftfahrtstandort Neuhardenberg

Am vergangenen Donnerstag (01.08.2019) erlebte der Flugplatz Neuhardenberg in seiner 85jährigen Geschichte eine Premiere. Mehr als 500 Passagiere aus Brandenburg, Berlin und Westpolen konnten einchecken und mit dem Airbus A320 der ostdeutschen Fluggesellschaft Sundair zu einem von insgesamt drei 45-minütigen Brandenburg-Rundflügen abheben. Dabei ging es an diesem Tag nicht allein nur um Rundflüge, sondern dem Aufzeigen von Potenzialen des Flughafen Neuhardenberg als Ergänzungs- und Serviceflughafen für Berlin-Brandenburg.

Der Flugplatzbetreiber des 500 Hektar-Areals, die Airport Berlin-Neuhardenberg GmbH, erfuhr an diesem Tag einmal mehr, dass die Region Ostbrandenburg hinter dem Projekt Service- und Ergänzungsflugplatz für die Hauptstadtregion steht. Das brachte auch die IHK Ostbrandenburg zum Ausdruck. „Entwicklung regionaler Flugplätze zulassen – Impulse für den ländlichen Raum setzen!“ ist die zentrale Forderung der Kammer. Robert Radzimanowski, Leiter des Fachbereichs Wirtschaftspolitik, betonte im Pressegespräch: „Flugplätze in Brandenburg bieten bereits heute vielfältige Arten der Nutzung. So können sie unter anderem für Rettungsflüge und Organtransporte genutzt werden, über ihre Rolle als Flugplätze hinaus Möglichkeiten zur Ansiedlung von Industrie und Gewerbe eröffnen und damit insbesondere den ländlichen Raum stärken. Darum setzt sich die IHK für die Sicherung der Standorte der Landeplätze ein.“

Neuhardenbergs Flugplatz-Geschäftsführer Uwe Hädicke, zugleich Vorstand des Berlin-Brandenburger Flughafenverbandes flyBB, machte deutlich: die Länder Berlin und Brandenburg, die sich auf eine gemeinsame Landesplanung verständigt haben, müssen die noch verbleibende Zeit bis zur BER-Eröffnung endlich nutzen, den Verantwortlichen sowohl bei den Berliner Flughäfen als auch der Brandenburger Landeplätze die Rahmenbedingungen so anzupassen, dass der BER einerseits starten und wachsen, aber auch kooperieren kann und darf. Zudem müsse dafür Sorge getragen werden, dass vorhandene Infrastruktur und tätige Unternehmen wie in Neuhardenberg, die ohne staatliche Subvention agieren, die notwendigen Genehmigungen erhalten, ihr Geschäftsmodell zu entfalten. „Flugzeuge, Piloten und auch die Menschen am Boden haben mit einem satellitengestützten An- und Abflugsystem ein weitaus höheres Maß an Sicherheit. Nur nach Sicht einen Landeplatz anzufliegen grenzt von der Marktteilnahme aus, gewerbliche Flüge sind dann nahezu unmöglich! 

„Wir wollen unseren 2500 Quadratmeter großen Hangar für eine Wartungsfirma für Airbus- und Boeing-Flugzeuge ausbauen und dann vermieten, der Kunde besteht auf ein sicheres Anflugverfahren unabhängig vom Wetter“, so Hädicke. „Mit unserer 24 Stunden-Betriebsgenehmigung könnten wir Geschäftsfliegern und anderen eine Option bieten, um nach der Inbetriebnahme des BER nicht nach 24 Uhr vor verschlossenen Toren zu stehen.“ Die Wettbewerbsfähigkeit des BER würde bei einer Kooperation mit seinen Umlandflugplätzen garantiert steigen, ist sich der Flugplatzmanager sicher. Andernfalls müssten Piloten weiterhin nach Hannover, Rostock-Laage oder Prag ausweichen, dies würde unsere Region für Airlines und Piloten zunehmend unattraktiv machen. Ein Blick nach Warschau, London und Paris hilft und beweist, dass Flughafensysteme attraktiver, dynamischer und sicherer sind als ein Single-Airport-Konzept.

Der Landrat von Märkisch-Oderland, Gernot Schmidt (SPD) unterstützt diese Forderungen ebenfalls: „Unternehmen werden gebremst, die Menschen vor Ort verstehen es nicht, dass so eine Infrastruktur wie in Neuhardenberg, die bereits zu DDR-Zeiten vom Steuerzahler bezahlt wurde, brach liegen muss und kaum genutzt werden darf. „Die Bremser sitzen nicht in Bonn oder Berlin, sondern in Potsdam!“ 

Schmidt appellierte an die Verantwortlichen auf Landesebene, ihr Denken und Handeln schnell den Realitäten der heutigen Zeit und vorhandenen Potentialen anzupassen und nicht die Akteure außerhalb Berlins permanent in die nächste Warteschleife zu schicken. 

Auch der Bürgermeister Neuhardenbergs, Mario Eska, erwartet, dass nicht wie augenscheinlich derzeit populär, die Landesregierung nur die Lausitz und die Speckgürtelregion um Berlin unterstützt: „Nur aus Sicht der Wählerstimmen zu agieren und den ländlichen Raum wie das Oderland, die Uckermark oder die Prignitz völlig aus dem Fokus zu nehmen, ist enttäuschend. Es existieren keine kurz- und mittelfristigen Planungen für die Ertüchtigung und den Ausbau der B1 vom polnischen Kostrzyn bis zur Anbindung an die A10 bei Vogelsdorf. Ebenso wurde jahrelang die Ostbahnerweiterung und Elektrifizierung stiefmütterlich behandelt“, so der Ortschef, der hier nun ein Umdenken auch in der Luftfahrt fordert.

Entscheidungen und Tempo in der Sache mahnten auch Kristy Augustin (CDU) und Bettina Fortunato (DIE LINKE), beide Landtagsabgeordneten aus der Region, an. So wolle die CDU bei einer möglichen Regierungsbeteiligung darauf bestehen, einen Lösungsansatz für Neuhardenberg in den Koalitionsvertrag aufzunehmen. 

Neben den vielen Partnern aus Verbänden und Politik fanden sich auch zahlreiche weitere Unterstützer zusammen um beim Projekttag FLIEGEN über die Luftfahrt im Allgemeinen und die damit verbundenen Berufsbilder zu informieren. Neben der IHK Ostbrandenburg stellten sich die Fluggesellschaft Sundair und die Flugschule Hans Grade aus Schönhagen den Besuchern vor. Die Firmen Gaetan Data und TÜV-Akademie informierten über Personalentwicklung, -qualifizierung und -beratung für die Luftfahrt. Securitas Aviation GmbH zeigte alles rund um Luftsicherheit und verantwortete zugleich mit der Landespolizei Brandenburg die Luftsicherheit dieses Projekttages. Deutsche Flugsicherung DFS warb für Nachwuchs von Fluglotsen und Towerpersonal und auch die Stiftung Schloß Neuhardenberg, die VW-Autohäuser Minnich aus Neuhardenberg und Frankfurt (Oder) sowie der Rundfunk Berlin-Brandenburg rbb unterstützen dieses tolle Event umfangreich.

Es war ein äußerst gelungener Tag, resümierte Uwe Hädicke: „Wir möchten uns bei allen Gästen und Partnern für den erfolgreichen Projekttag Fliegen bedanken. Das Interesse war nicht nur bei den Passagieren der ausgebuchten Rundflüge groß, viele Gäste kamen, um sich bei den Ausstellern zu informieren und um sich das Event nicht entgehen zu lassen. Der Zuspruch und die Unterstützung der Region waren überwältigend!“